Ukulelenfestivals gibt es wie Sand am Meer. Vor allem Großbritannien hat traditionell viele zu bieten. Ein ganz besonderes veranstaltete in diesem Jahr Pete Howlett. Der berühmte Ukulelenbauer aus Wales lud zum ersten Meet-The-Ukulele-Makers-Festival (MUMF) ins Grüne ein.

Der Ukulelenbauer Pete Howlett ist der Gastgeber des MUMF 2018
Wie wunderbar es vor Pete Howletts Haustüre aussieht, durfte ich bereits vor etwas mehr als zwei Jahren erleben. Auf der Suche nach Erholung buchte ich kurzentschlossen einen seiner zweitägigen Ukulelenbaukurse. Neben einer zur Hälfte selbstgebauten Howlett-Sopran aus Kirsche nahm ich vor allem den Blick aus Petes Werkstatt mit nach Hause. Direkt vor seinem Fenster erhebt sich Snowdon, das unzählige Postkarten zierende, 1085 Meter hohe Wahrzeichen des Snowdonia-Nationalparks.
 
Als ich nun davon las, dass Pete ein Ukulelenfestival veranstaltet, und zwar direkt in seiner Haustüre, musste ich nicht lange überlegen. Ehe ich mich versah war ich zurück – von Frankfurt über Manchester nach Snowdonia, zurück im grünen Herzen von Wales.
 

Willkommen zurück!

Nachdem mich Volker Grass von Bugle-Ukulele mit seinem roten Cabrio vom Bahnhof abgeholt hatte, begann das MUMF für mich ganz unverhofft bereits am Vorabend. Im benachbarten Pub, in dem am nächsten Abend auch die Offene Bühne stattfinden sollte, treffen wir Pete und seine Frau Helen, die Volker und mich sogleich an ihren Tisch einladen.
 
Ich kenne die Howletts nicht, habe lediglich zwei Tage in Petes Werkstatt verbracht und mit ihnen zu Mittag gegessen. Trotzdem fühlt es sich an wie Heimkommen. Überrascht und ein wenig gerührt, dass mich Pete sogleich mit Namen begrüßt und sich, wie Helen, genau an meinen Aufenthalt vor zwei Jahren erinnern kann, hat sich die Reise für mich schon jetzt gelohnt. 
 

Leicht war sie nicht, meine Reise ins Vereinigten Königreich. "No PIN, no wheels", musste ich am Flughafen von Manchester feststellen. Ohne Pincode für die Kreditkarte, kein Leihwagen. Dann eben Bargeld oder EC-Karte? Denkste!

In diesem Sinne, kleiner Tipp für alle nachfolgenden MUMF-Reisenden: Wer einen Mietwagen in Großbritannien bucht, sollte seinen potenziell niemals zuvor genutzten Pincode parat haben. Oder einen guten Draht zu Volker mit seinem roten Cabrio.

Eine große Familie

Als am nächsten Tag die ersten Festivalgäste eintrudeln, wird mir einmal mehr klar: Die Ukulelen-Community ist eine ganz besondere Gemeinschaft. Und die Pete-Howlett-Community ein außergewöhnlicher Teil von ihr. Die allermeisten der rund 80 Gäste kennt Pete beim Namen. Nicht wenige haben, wie ich, Instrumente bei ihm gebaut. 
 
 
Einen älteren Herrn am Rande der Anmeldung scheint er nicht zu kennen. Als dieser seinen Ukulelenkoffer zückt, ist Pete zu Tränen gerührt. Der Unbekannte ist ein Howlett-Fan der ersten Stunde und hat eine Tenorukulele dabei, die Petes Werkstatt vor über zwanzig Jahren verlassen hat.
 
"You, the People, are the reason why we make this festival." Menschen wie dieser Mann seien der Grund dafür, weshalb er und seine Frau Helen das MUMF organisieren. Dieses Mantra ist Pete nicht müde zu wiederholen. Dabei nimmt er selbst nur eine zurückhaltende Rolle ein auf dem Festival, das er zwar ins Leben gerufen hat, aber nicht für sich beanspruchen möchte. Pete hat Tonholz und Werkzeuge dabei, keine Meisterwerke aus Koa. Im Mittelpunkt des Meet-The-Ukulele-Maker-Festivals stehen, na, klar, die geladenen Ukulelenbauer.
 
13 auf einen Schlag hat Pete nach Wales gelockt. Zugegeben, die meisten sind Hobbybauer, die zum Teil ihre Erstlingswerke präsentieren. Mit Tom Ziegenspeck, Liam Kirby (Wunderkammer Instruments) und Sven Nyström (Argapa Ukuleles) sind jedoch auch einige bekannte Gesichter dabei. 
 
Über die unterschiedlichen Instrumente und Bauweisen ließe sich jetzt ausführlich berichten. Hier die Kurzfassung: Die Konzertukulele aus sächsischer Erle von Tom Ziegenspeck klingt am schönsten, die Bugle-Ukulele ganz aus Koa am klarsten; Liam Kirby baut jetzt auch Bariton-Ukulelen, und Richard Cross' eigensinnige Flachmänner sind noch mobiler als die Travel-Modelle von Kala. 
 

Voneinander lernen

Was das MUMF zu einem besonderen Festival macht, sind nicht nur die vielen unterschiedlichen Instrumente. Vor allem der freundschaftliche und offene Austausch ihrer Erbauer untereinander ist einzigartig. Viele Ukulelen wechseln nicht den Besitzer an diesem Wochenende; dafür das Wissen über die verschiedenen Philosophien und Bauweisen. An den über den ganzen Tag verteilten Workshops nehmen nicht nur Liebhaber, sondern auch die Ukulele-Maker selbst teil.
 
Pete Howlett zeigt (einmal mehr), wie innerhalb von Minuten der perfekte Hals entsteht; Tom Ziegenspeck demonstriert, wie Randeinfassung und Korpus eins werden; Richard Cross lehrt Design, und der mit acht Ukulelen in einem einzigen Koffer angereiste Sven Nyström berichtet, wie auch ohne eigene Werkstatt über hundert Instrumente entstehen können.
 

Gemeinsam musizieren

Auch, weil einmal nicht C, F und G im Vordergrund stehen, ist das MUMF ein außergewöhnliches Festival. Es wird substanziell über die Ukulele diskutiert und virtuos musiziert, ein ganzes Wochenende lang. So handeln auch die weiteren Workshops nicht von Schrammelei und E-Dur-Vermeidungsstrategien, sondern Themen, die bewegen.
 
Die zauberhafte Zoë Bestel gibt Hinweise, wie mit einfachen Ideenfindungsmethoden Songs entstehen; Paul Tucker, ehemaliger Shopmanager im Southern Ukulele Store, zeigt, wie ein professioneller Lehrplan die eigene Lernkurve beeinflusst; Andy Eastwood lebt vor, wie man auch ohne absolutes Gehör errät, welcher Ton zuletzt gespielt wurde.
 

Musikalische Höhepunkte

Nicht unerwähnt bleiben darf das musikalische Rahmenprogramm. Nach einer ungewöhnlich kurzweiligen Offenen Bühne am Freitag, setzt der Konzertabend am Samstag noch einen drauf: Zoë Bestel liefert björk'schen Pop mit Baritonukuele, Paul Tucker spielt Songs, die er seit zwanzig Jahren nicht gespielt hat, und Andy Eastwood mimt den perfekten George Formby.

 
Zwischen den Sets werden immer wieder Festivalgäste auf die Bühne gebeten. Dabei lerne ich: Pete Howlett ist nicht nur ein großartiger Ukulelenbauer, sondern hat den Blues im Blut; Tom Ziegenspeck ist ein Harp-Ukulele- und Tin-Whistle-Spieler vor dem Herrn. Auch ich traue mich mit meiner Wunderkammer-Ukulele ans Mikro und gebe in Anwesenheit ihres Erbauers zwei Songs zum besten.
 

Fazit

Was bleibt sind beseelte Gesichter weit und breit und die Gewissheit der allermeisten, im nächsten Jahr wiederzukommen. Schneller, höher, weiter ist dabei nicht der Anspruch, doch Pete und Helen arbeiten bereits jetzt auf Hochtouren am MUMF 2019. Workshops, Konzerte und die perfekte Organisation bleiben dem Festival erhalten. Als neuen Höhepunkt wird in Gemeinschaftsarbeit eine Pete-Howlett-Konzertukulele aus Koa entstehen. Die soll noch während des Festivals das erste Mal erklingen und sogleich unter den Besuchern verlost werden. 
 
Grund genug also, um für Ende Mai 2019 einen Kurzurlaub nach Nordwales einzuplanen. Ich jedenfalls bin dabei!
 
 
Das MUMF 2019 findet vom 31. Mai bis 2. Juni 2019 im Snowdonia-Nationalpark in Nordwales statt. Tickets und alle weiteren Infos gibt es auf der gut gepflegten Festival-Webseite oder in der Facebook-Gruppe.
 
Vielen Dank, Oliver Klein, für die Fotos 3, 4, 18, 21, 22, 24.
 

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