Der Traum vieler ist es, das eigene Hobby zum Beruf zu machen. Volker Grass aus Solingen hat genau das gemacht. Seit 2016 verbringt er die Hälfte seines Arbeitstages mit dem Ukulelenbau. Dass es die richtige Entscheidung war, sieht man ihm an und hört es am Klang seiner einzigartigen Instrumente.

Bei meinen Besuch in Solingen zeigte mir Volker Bugle-Ukulelen aller Größen
Wer im Bergischen Land etwas erleben möchte, der pendele eine Runde mit der Wuppertaler Schwebebahn. Wem das nicht reicht, der reise weiter gen Süden. Idyllisch gelegen, am äußersten Zipfel des Bergischen Städtesdreiecks liegt das Horn (engl. Bugle) von Solingen.
 
Antilopen gibt es hier keine, aber Kühe und Grünflächen so weit das Auge reicht. Hier lebt und arbeitet es sich ganz unbeschwert. Dabei kommen nicht nur scharfe Messer und Scheren aus der weltbekannten Klingenstadt. An besagtem Horn in der Nummer acht, werkelt Volker Grass, das Gesicht hinter Bugle-Ukulele.

Die sauberste Werkstatt Deutschlands

Wenn man die Türe zu Volkers Werkstatt betritt, bekommt man den Eindruck, das Team für die Filmkulisse wäre gerade raus. Die Raspel, fein, liegt neben der Feile, fein, daneben Schraubenschlüssel aller Größen; darüber stapeln selbst gebaute Schablonen und Vorlagen; in kleinen Schachteln lagern vorgesägte Hölzer für die Bugle-Ukulelen der nächsten Monate.
 
Alles hat seinen Platz, jedes Werkzeug ist mit dem passenden Etikett versehen. In den vergangenen Jahren habe ich viele Ukulelenwerkstätten von innen gesehen. So sauber und aufgeräumt wie bei Volker war es noch nirgendwo.
 

Ein Qualitätsarbeiter

In Volkers Werkstatt, die schon lange keine Garage mehr ist, regiert nicht das Chaos, sondern jemand, der es ernst meint. Ordnung hat schon immer eine Rolle gespielt im Hause Grass. Schließlich gab es auch für Volker, man mag es kaum glauben, ein Leben vor der Ukulele. 
 
Die längste Zeit seines Lebens hat er als Konstrukteur für Sondermaschinen in der Automobilzulieferindustrie gearbeitet. Wer da überleben möchte, muss Qualität liefern an die Daimlers, BMWs und VWs dieser Welt. Über 15 Jahre hat Volker genau das mit viel Freude getan.
 

Ein halbes neues Leben

Dass es noch schönere Werkstoffe gibt als Stahl und Eisen, die Vermutung hatte Volker schon lange. Auf der Suche nach Antworten begann er im Oktober 2015 schließlich ein Sabbatjahr. Ziel: Von nun an nur noch Dinge tun, die sinnvoll sind.
 
Dass der Ukulelenbau dazu gehört, wusste er seit er vor vielen Jahren über die Weihnachtsferien erstmals selbst eine baute. Viele weitere folgten; das Einrichten seiner Werkstatt gehörte fortan zu einer seiner liebsten Tätigkeiten. Aber kann man das beruflich machen?

Überzeugungstäter

Wie gerufen kam da ein Aufruf von Pete Howlett. In einem Internetforum bot der Ukulelenbauer aus Wales Praktikumsplätze in seiner Werkstatt an. Nach regem E-Mail-Verkehr folgten rasch Nägel mit Köpfen, eine Fähre wurde gebucht, im Juni 2016 sollte es losgehen.
 
Die folgenden Monate gehören zu den glücklichsten in Volkers Leben. Nach ein bisschen Rechnen dann die Entscheidung: "Das mach' ich!" Was folgte, war die Reduzierung seines Brot-und-Butter-Berufs auf eine halbe Stelle und das Anmelden eines Kleingewerbes. Ein für allemal: Bugle-Ukulele war geboren.
 

Liebe zu seinen Instrumenten

Bereits als Hobbybauer fiel es Volker schwer, seinen Instrumenten Adieu zu sagen. Deshalb gibt es in seinem Ausstellungsraum noch heute mehr als ein halbes Dutzend Bugle-Ukulelen zum Anspielen. Keine sieht aus wie die andere. Von der Zigarrenkiste bis zur paddelförmigen Tenorukulele ist alles dabei.
 
Jedes Modell trägt einen mal mehr, mal weniger sprechenden Namen. "Treasure" ist ein Schatz aus hawaiianischem Koa, "Sixpack" eine Tenorukulele mit sechs Saiten und die "Uschilele" eine Sonderanfertigung für eine Dame names Uschi
 

Bunte Vielfalt

 
Wohl kaum ein Ukulelenbauer hat bereits so viele verschiedene Modelle gebaut wie Volker. Wer bei ihm eine Sonderanfertigung in Auftrag gibt, dem sind kaum Grenzen gesetzt. Von Doppelhals-Ukulele bis zur Gypsi-Style-Tenor mit aufwändig gearbeiteter Fensterkopfplatte  geht nicht, gibt's nicht bei Bugle-Ukulele.

Sorgsam konstruiert

Dabei ist keines seiner Schätzchen bloße Spielerei. Jede Ukulele ist professionell eingestellt und erstklassig bespielbar. Obwohl allesamt Unikate, fängt Volker selbstredend nicht jedesmal von vorne an. Qualitätsmanager durch und durch hat er für den Bau einer Bugle-Ukulele exakt 67 Arbeitsschritte dokumentiert.
 
 
Ebenso gibt er zuverlässig Auskunft darüber, welche Holzkombination seiner Erfahrung nach zu welchem Klang führt. Eine Ausnahme macht seine persönliche Lieblingsukulele, ein Hingucker namens "Wolpertinger" aus 14 verschiedenen Holzarten. Sieht gut aus und klingt auch so, aber liegt es am Lacewood, Ahorn oder Amaranth?
 

Experimentier-Experte

Was Volker von anderen Ukulelenbauern unterscheidet, ist vor allem seine Experimentierfreude und die daraus folgende Vielfalt seiner Instrumente. Von Ahorn bis Zebrano über Banjolele, Bass und Sopranino –  Volkers Werkstatt hat schon so manches hölzernes Kunstwerk verlassen. 
 
 
Dass er jedes seiner Instrumente mit Herzblut angeht, davon zeugen die leuchtenden Augen, wenn Volker von seinen täglich neuen Herausforderungen in der Werkstatt erzählt. Was als Sabbatjahr begann, ist zumindest halbtags eines geblieben und zum Solinger Dauerzustand geworden.
 
Volkers Wunsch, sein Leben mit neuem Sinn zu füllen, ist vollends gelungen. Auch Autos braucht die Welt (noch), aber haben nicht Musikinstrumente einen größeren Anteil am Weltfrieden? Ich jedenfalls kann mir keine sinnvollere Tätigkeit vorstellen als Ukulelenbau am Horn von Solingen.
 

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