Kann es nur die eine Ukulele geben? Claus-Mohri-Besitzer behaupten genau das von ihren wohl behüteten Schätzen aus Meisterhand. Nach drei Jahren Wartezeit kann ich mir endlich selbst ein Urteil erlauben. Um auf Nummer sicher zu gehen, habe ich meine Neue aus Ahorn gleich mit in den Urlaub genommen.

Der gesamte Korpus meiner Konzertukulele von Claus Mohri ist aus Ahorn

Ob man sich mit einem Menschen versteht, merkt man erst, wenn man ihn besser kennt. Was als Kinobesuch funktioniert, kann schon während des ersten Abendessens bei Kerzenschein im Desaster enden. Der ultimative Test ist ein gemeinsamer Urlaub. Gleiches gilt für Ukulelen.

Um herauszufinden, wie gut meine neue Claus-Mohri-Ukulele und ich zusammenpassen, haben wir Urlaub gemacht. Zwei Wochen Toskana, Seite an Seite, Bett an Ukulelenkoffer. Aber eins nach dem anderen. Gehen wir noch einmal drei Jahre zurück.

Viel Zeit für die schönste Freude

Claus Mohri ist einer der ganz Großen im Ukulelenbusiness. Wahrscheinlich der Größte, wenn man sich im deutschsprachigen Raum nach einer Sonderanfertigung umschaut. Mit Meisterbrief in der Tasche und über 40 Jahren Berufserfahrung, gibt es nur Wenige, die ihm etwas vormachen. 

Dementsprechend lang ist seine Warteliste. Wer eins vom Claus‘ Instrumenten besitzen möchte, muss Geduld mitbringen. Wenn es dann soweit ist, hat man die Qual der Wahl. Claus baut Ukulelen in Sopran- bis Tenorgröße. In den letzten Jahren hat er sich vor allem mit seinen achtsaitigen Taropatches einen Namen gemacht. 

Was darf es sein?

Damit meine Wahl fundiert ausfällt, habe ich Claus in seiner Werkstatt besucht. In Aarbergen im Untertaunus nimmt er sich alle Zeit der Welt, um mich von den Vorzügen der verschiedenen Klanghölzer und Mensuren zu überzeugen.

Freundlich, aber bestimmt gibt er mir Antwort auf alle meine Fragen. Grundsätzlich könne er jedes Stück Holz zum Klingen bringen. Je nachdem, wofür ich mich entscheide, mache die Beleistung dann eben ein bisschen mehr Arbeit.

Einmal Ahorn, bitte!

Mit diesem Wissen entscheide ich mich für ein Set Ahorn mit wunderbar geflammten Einteilern für Decke und Boden. Auf Verzierungen verzichte ich weitestgehend. Einzig Randeinfassung (Binding), Schalllochring und Zargenstoß aus  Palisander sowie ein Griffbrett aus tiefschwarzem Ebenholz sollen für Kontras sorgen.

Etwas schwieriger fällt mir die Wahl der Mensur. Obwohl ich mich im Fall der Fälle (eigentlich) immer für eine Sopran entscheiden würde, verführt mich Claus zum nächstgrößeren Modell. Die Gründe dafür trägt er mir überzeugend genug vor.

Der kleinere Korpus seiner Konzertukulelen sowie die Hals-Korpus-Verbindung im zwölften anstatt im 14. Bund erinnern eher an eine Longneck-Ukulele. Beides verspricht ein komfortables Spielgefühl, das sich kaum von dem einer Sopran unterscheidet. Größter Unterschied: der potenziell vollere Klang.

Natur statt Nitro

Als Claus mit dem Bau meiner Ukulele beginnt, durchlebe ich gerade bewegte Zeiten. Ein Jobwechsel sowie der damit verbundene Umzug in eine neue Stadt bringen etwas Unruhe in mein Leben. Umso schöner, die sporadischen, stets wortgewandten Lebenszeichen aus Aarbergen, wie es mit meiner Ukulele vorangeht.

Auf seiner Webseite bekommt man eine Ahnung davon, mit wie viel Hingabe sich Claus seinem Handwerk widmet. Keiner spricht schöner über die Ausscheidungen einer Schildlaus als Claus:

"Schellack entsteht durch eine Wechselwirkung zwischen Tier und Pflanze. Er wird durch den Stich der weiblichen Lackschildlaus hervorgebracht. Die befruchteten Weibchen sammeln sich an den Enden der jüngsten Äste einiger indischer Bäume […] und verletzen dieselben. Es tritt eine harzige Masse hervor. Das Harz wird gesammelt und trägt den Namen Stock- oder Körnerlack. Durch Schmelzen und Aufstreichen der geschmolzenen Masse auf Blätter gewinnt man in Indien den Schellack. Er besteht aus Harz, Gummi, Kleber, Wachs und ätherischen Ölen. In Alkohol aufgelöst entsteht der unvergleichliche Schellack."

Quelle: www.cmohri.de

Legende im Briefkasten

Dann ist der Tag gekommen. Nach 14 Schichten Schellack über einen Zeitraum von vier Wochen ist meine Ukulele fertig. Der Legende nach verschickt Claus seine Instrumente in Waschmaschinenkartons. Komplett an den Haaren herbeigezogen ist das nicht.

Claus‘ Akribie geht jedoch weit über das sorgsam gepackte Paket hinaus. Um es gleich vorwegzunehmen: Das Meisterstück aus Aarbergen hat alle meine Erwartungen übertroffen. Keine meiner Ukulelen ist besser verarbeitet, keine fühlt sich wertiger an und keine hat einen komplexeren Klang.

Samtweiche Oberfläche

Dabei hat die wunderbare Lackierung Claus einmal fast den Job gekostet. „Das kann man nicht lernen“, sagt er. „Das muss man einfach machen.“ Jede Schellackpolitur sei anders. Als er sich vor vielen Jahren dafür entschied, nur noch unter eigenem Namen Instrumente zu bauen, war ein perfektes Finish sein absolutes Muss-Kriterium. 

„Hätte ich das nicht hingekriegt, hätte ich gar nicht erst angefangen“, resümiert Claus. Warum er es schließlich gewagt hat, sieht und fühlt man sofort, wenn man eine seiner Ukulelen in die Hand nimmt. Ich habe einige Schellack-Ukulelen zuhause – die von Claus hat die mit Abstand sorgfältigste Ausführung.

Ein Blick durchs Schallloch bekräftigt diesen Eindruck. Kein Staubkörnchen und keine Leimreste weit und breit. Dabei ist die hauchdünne Lackschicht im Inneren nicht nur optisch ein Hingucker. Gleichzeitig sorgt sie für die optimale Klangreflexion.

Ein Auge für alles

Beispiele für Claus‘ Perfektion gibt es viele weitere. Von den für jede Mensur individuell kalibrierten, das heißt, an jeder Stelle gleich dünnen Kürschner-Saiten, über deren überschusslosen Aufzug bis zum erhöhten Griffbrett. Alles ist durchdacht, alles macht Sinn. 

Die Saitenlage ist flach, das Instrument, nicht zuletzt dank der federleichten Peghed-Mechaniken, im zwölften Bund perfekt ausbalanciert. Der schlanke Hals aus spanischer Zeder sowie das leicht gewölbte Griffbrett sorgen für Spielkomfort auch im Barré.

Ebenso ist das Griffbrett ungewöhnlich gleichmäßig in der Breite. Der Unterschied zwischen dem ersten (35 mm) und zwölften Bund (40 mm) beträgt gerade einmal fünf Millimeter. Zum Vergleich: bei meiner Kamaka sind es zehn.

Ein Klangwunder

Aber was ist eigentlich mit dem Wichtigsten, dem Klang? In meinen Ohren lässt sich dieser am besten mit dem Wort ausgewogen charakterisieren. Das mag im ersten Moment wenig spektakulär erscheinen, ist aber eine Wohltat für die Ohren und alle weiteren Zuhörer.

Da knallt nichts, keine Saite sticht hervor, kein Ton tanzt aus der Reihe. Ob gezupft oder geschrammelt, alles bleibt eine Einheit. Selbst verminderte Akkorde, die auf so mancher hochwertigen Ukulele farblos bleiben, erweckt die Mohri zu vollem Leben.

Ihr Klang ist subtiler als der meiner anderen Ukulelen. Um damit belohnt zu werden, muss man sich jedoch erst drauf einlassen. Wenn ich meine Wunderkammer-Sopran-Ukulele aus der Hand gebe, ist es für viele gleich Liebe auf den ersten Blick. Die Vorteile meiner Mohri erschließen sich erst bei zweitem Anpacken.

Obwohl sie sich fast von alleine spielt, verzeiht sie unsauberes Spiel weit weniger als die lauthals schreiende Konkurrenz. Auch im wildesten Akkordspiel ist jede Seite, jeder Ton separat rauszuhören. Wenn man sich vergreift, ertönt dementsprechend auch jeder Fehler glasklar.

Wer den Sweetspot findet, ist endgültig überzeugt. Ein sauberer Anschlag um den zwölften Bund belohnt den Spieler mit einem nochmals süßeren, funkelnden, allzu erhabenen Ukulelenklang. In diesem Moment werden Klang und Design eins. 

Fazit

Sicher, all das ist Geschmacksache und rein subjektiv. Ich für meinen Teil kann mir dennoch keine bessere viersaitige Urlaubsbegleitung vorstellen. Claus Mohri und ich sind auf Berge gestiegen und in Täler hinab, haben auf Olivenhaine gestarrt und auf der Terrasse gefaulenzt. Dazwischen gab es viel Zeit, Neues anzustimmen, aber auch Vertrautes in Wohlklang zu verwandeln.

Meine Claus-Mohri-Ukulele ist kein Einstiegsinstrument. Viel zu groß ist die Ehrfurcht vor dem perfekten Handwerk und dem feinen Klang, der ertönt, wenn man sie das erste Mal im Arm hält. Für den fortgeschrittenen Liebhaber jedoch kann sie die Eine sein. Die eine Ukulele, die alle anderen vergessen macht und die Sehnsucht nach Neuerwerbungen ein für allemal aus der Welt schafft. Zumindest über den Zeitraum eines unvergesslichen Urlaubs.
 
Meine Claus-Mohri-Ukulele und ich in der Toskana

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4 Comments to “ Claus Mohri in Italien”

  1. Dieter sagt:Antworten

    Willkommen im Club! Ich habe die meine schon etwa – ich weiss es gar nicht mehr so genau – etwa 7-8 Jahre und sie wird immer besser und besser.
    Auch kann ich Dir bestätigen dass mein UAS seither weg ist – und das kommt auch nicht mehr wieder.
    Mittlerweile habe ich von Claus auch einen Bass in Gitarrengrösse – zur Qualität erübrigt sich jedes Wort..
    Viel Spass mit dem klasse Instrument

  2. Ralf sagt:Antworten

    Seit gut 3 Monaten spiele ich auch eine Ukulele von Mohri – Sopran mit Fichtendecke und Boden/Zargen aus Ahorn – brillant, knackig und vor allem sehr responsiv. Obwohl ich schon sehr bald ahnte, welches Potential in dem Instrumentchen liegt, war mein klanglicher Eindruck anfangs doch etwas durchwachsen. Inzwischen hat sich die Mohri klanglich stark entwickelt, wahrscheinlich habe ich auch einen besseren Umgang mit ihr erlernt. Meine Begeisterung wächst fast täglich und so langsam wird daraus das Instrument meiner Träume. Bunte, schillernde Klangfarben, zarte Nuancen – die Erforschung dieser klanglichen Vielfalt erübrigt den Kauf weiterer Ukulelen.

    1. Lieber Ralf,

      genau das meine ich. Es braucht einfach Zeit, um die Qualitäten einer Mohri vollends zu begreifen.

      Wie gesagt,auch auf meine Mohri reagieren die meisten Spieler eher mit Zurückhaltung, wenn sie sie das erste Mal in die Hand nehmen. Sobald sie sich aber darauf einlassen und bemerken, wie man ihr am besten Töne entlockt und wie vielfältig man dies tun kann, sind alle Zweifel aus der Welt.

      Beste Grüße
      Ludwig.

  3. Kat sagt:Antworten

    Hallo Ludwig,

    wie schon im Ukulelenboard erwähnt, möchte ich mich ganz herzlich für diesen ganz wunderbar geschriebenen und sehr informativen Bericht über ein äußerst interessantes Instrument bedanken. Es war mir eine große Freude, deine Beschreibung zu lesen und vor allem auch, die absolut gelungenen, kunstvollen Fotos dieses Instruments bewundern zu dürfen. Schön, dass es Liebhaber solch exclusiver Ukulelen wohl doch auch zunehmend im deutschsprachigen Raum gibt! Es würde meinen Mann und mich sehr interessieren, irgendwann vielleicht auch einmal ein Instrument von Claus Mohri spielen zu dürfen, wobei wir uns andererseits auch sehr glücklich schätzen, z.B. Ukulelen von John S. Kinnard unser Eigen nennen zu dürfen.

    Viele Grüße
    Kat

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