Wem Sopranukulelen zu groß sind, der greift gern zur nächstkleineren Variante: der Sopranino. Aufgrund der kurzen Mensur lässt die Intonation häufig zu wünschen übrig. Mit der Allegro hat die italienische Antica Ukuleleria von Marco Todeschini eine Mini-Ukulele im Programm, die bis in den zwölften Bund spielbar ist.

Sopranino-Ukulele Allegro aus der Antica Ukuleleria

Allegro ist das italienische Wort für lustig. Unter demselben Namen vertreibt der noch junge Ukulelenbauer Marco Todeschini aus Italien das nicht ganz unlustige Sopranino-Modell seiner Standardserie. Beim Bau bedient er sich sowohl traditionellem Handwerk als auch hochmodernen Industrietechniken. Letztere hat er dem Einzug seiner Antica Ukuleleria in ein so genanntes Fablab zu verdanken. In der offenen Werkstatt stehen ihm modernste 3D-Drucker, Laser-Cutter und CNC-Maschinen zur Verfügung. In seinem Werkstattbericht erzählt er, wie aus einem Block Mahagoni eine Ukulele entsteht:

Mein Studium habe ich an der Civica Scuola di Liuteria di Milano absolviert, einer der beiden großen Instrumentenbauschulen in Italien. Dort habe ich von der Pike auf gelernt, wie klassische Gitarren und Lauten funktionieren. Heute wende ich diese Techniken auf den Ukulelenbau an. Antica ist das italienische Wort für alt – in diesem Sinne bediene ich mich auch beim Bau meiner Instrumente in bedeutendem Maße an traditionellen, teils jahrhundertealten Techniken.

Mein Sopranino-Modell Allegro unterscheidet sich dennoch maßgeblich von den Ukulelen, die ich normalerweise baue. Als ich mit meiner Werkstatt in eine Fablab in Verona einzog, eröffneten sich mir ungeahnte Möglichkeiten und eine ganz neue Welt von Innovationen. Beim Bau meiner Premiummodelle halte ich nach wie vor an der reinen Handarbeit fest. Um auch günstigere Instrumente von hoher Qualität anzubieten, habe ich damit begonnen, mich in der Fablab umzuschauen und die vorhandene Technik für meine Zwecke zu nutzen. Die Laserschneidegeräte, 3D-Drucker und CNC-Maschinen bildeten die Grundlage für die Geburt meiner ausgefallenen Allegro- und UFO-ModelleFür einige Schritte im Prozess ist die menschliche Hand das perfekte Werkzeug; ebenso gibt es jedoch Passagen, in denen die Maschine die beste Wahl ist. Mein Wunsch ist es, beide Welten optimal miteinander zu kombinieren. 

Boden, Seiten, Hals und Kopfplatte der Allegro sind aus einem einzigen Stück Mahagoni geformt. Diesen langweiligen Job übernimmt R2-D2, eine alte CNC-Maschine, die schon lange vor mir im Fablab ihr Unwesen getrieben hat. R2-D2 formt aus einem Stück Holz eine Ukulele und höhlt sowohl die innere als auch die äußere Form des Instruments aus. Sobald die Grundform steht, kümmere ich mich um den Motor der Ukulele: die Decke. Ich habe das große Glück, in unmittelbarer Nähe einer weltberühmten Quelle für Tonhölzer zu wohnen. Der Paneveggio-Naturpark in Val di Fiemme ist bekannt für seinen dichten Fichtenwald. Schon Antonio Stradivari, der bekannteste Geigenbauer der Welt, holte sich seine Hölzer aus dem auf bis zu 2000 Meter Höhe gelegenen Geigenwald.

Die Lage bietet optimale Bedingungen für das gedeihen fabelhafter Tonhölzer. Das Fichtenholz von hier ist leicht, fest und bestens geeignet für wohl klingende Deckenhölzer im Instrumentenbau. Diese nutze ich für den Bau aller meiner Modelle. Deshalb habe ich mich entschieden, auch für meine Allegros keine Ausnahme zu machen. Selbstverständlich gibt es während der Konstruktion dieser kleinen Instrumente einige Abkürzungen; was die Qualität der Hölzer angeht, gehe ich jedoch keine Kompromisse ein. Schließlich sind die Fichtendecken eines der größten Alleinstellungsmerkmale meiner Ukulelen und resultieren in einem, was den Klang betrifft, stetig wachsenden Instrument, das seinen Ton mit der Zeit noch verbessert.

Nachdem ich die Fichtendecke auf die richtige Stärke gebracht habe, schneide ich sie mit dem Laser-Cutter in Form. Für die Feinarbeit nehme ich das Schabeisen zur Hilfe, mit einem besonderen Fokus auf die Ränder. 0,1 bis 0,2 Millimeter weniger lassen die Decke noch besser vibrieren. Die Beleistung der Allegros ist sehr leicht und aus demselben Fichtenholz wie die Decke. Mit nur zwei Millimetern sind die Balken ungewöhnlich dünn gehalten, haben jedoch keine besondere Funktion oder gar Auswirkungen auf den Klang. Das ganze Instrument ist sehr klein und hat nur eine geringe Spannung, weshalb mir eine größere Beleistung wenig sinnvoll erscheint. Die kleinen Balken dienen primär dazu, ein natürliches Brechen der Decke, beispielsweise aufgrund von Trockenheit, zu vermeiden. 

Das Verleimen von Decke und Korpus folgt dem gleichen System wie bei meinen Premiummodellen. Einfach gesagt, mumifiziere ich die Ukulele in Papierklebeband. Ich bin davon überzeugt, dass es unnötig ist, besonders viel Druck auf den Leim auszuüben. Wenn die Verbindung perfekt ist – und die Verbindung muss perfekt sein! – ist eine genaue Fixierung ausreichend, damit es sich alles ineinander fügt. Dafür braucht es nicht viel Kraft.

Die nächsten Schritte geschehen in Handarbeit. Ich bearbeite den Hals (genau wie ich es bei meinen Premiumukulelen mache) und schneide die Kopfplatte mit der Bandsäge zu. Dann ist es Zeit, sich dem Griffbrett zu widmen. Dieses ist aus Birnbaum, einem lokalen Hartholz, das perfekt für diesen Zweck geeignet ist. Wie schon erwähnt, liebe ich es, Tradition mit Innovation zu verbinden. Birnbaum wurde bereits für die Griffbretter alter Lauten verwendet. Ganz nebenbei ist es eine ökologisch nachhaltige Alternative, den neuerlichen CITES-Vorschriften elegant Folge zu leisten.

Nachdem ich das Griffbrett bundiert habe, klebe ich es auf den Hals. Hier ist es besonders wichtig, dass die Fläche eben ist. Aus diesem Grund forme ich den Hals mit einer minimalen Krümmung, kurz bevor ich ihn mit dem Griffbrett verbinde. Um sicher zu gehen, dass die Krümmung bleibt, kontrolliere ich sie direkt nach dem Kleben erneut. Falls nötig, arbeite ich mit Schabeisen und Schmirgelpapier nach. Ich bilde mir ein, dass die leichte Wölbung spürbar zu einer besseren Bespielbarkeit des Griffbretts beiträgt. Wenn Griffbrett und Hals verbunden sind, kümmere ich mich um die Rückseite des Halses. Dabei geschehen keine technologischen Wunder: Einfach raspeln, feilen, schaben und schmirgeln.

Nun setze ich den Bunddraht ein und sorge dafür, dass nichts kratzt. Die Ränder müssen getrimmt und mögliche Auslassungen aufgefüllt werden. Die Hauptarbeit ist jetzt getan. Im letzten Schritt braucht es nur noch jede Menge Schmirgel- und Schabarbeit bis die Oberfläche geschmeidig genug ist, um die Ölpolitur aufzutragen.

Fehlen nur noch die Saiten: Als ich die Allegro entworfen habe, wollte ich eine Sopranino-Ukulele bauen, die sich in der gewohnten GCEA-Stimmung (und nicht etwa eine Oktave höher) spielen lässt. Deshalb habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie es auch bei einer derart kurzen Mensur möglich ist, die Noten mit normaler Saitenspannung zu erzeugen. Wenn die Saiten labbern, resultiert das schnell in einer geringen Lautstärke sowie Intonationsproblemen.

Ich habe eine ganz unkonventionelle Methode gefunden, womit auch normale Saiten zum gewünschten Ergebnis führen. Was man dazu braucht, ist ein ganz normaler Satz Sopransaiten sowie zusätzlich eine Low-G-Saite. Um ausreichend Spannung zu erhalten, muss jede Saite um eine Position verschoben werden, also kommt:

  • An Stelle der C-Seite die Low-G-Saite
  • An Stelle der E-Seite die C-Seite
  • An Stelle der hohen G-Seite die E-Saite
  • An Stelle der A-Seite die hohe G-Saite

Auf diese Weise wird jede Note mit einer dickeren Saite besetzt als normal und förmlich dazu gezwungen, eine größere Spannung zu erzeugen. Einen kleinen Nachteil gibt es jedoch: Die überflüssige A-Saite wird verschwendet. Diesem Problem kann man aus dem Weg gehen, indem man sich einen Satz Sopran-Low-G-Saiten besorgt. Die Verteilung der Saiten sieht dann wie folgt aus: 

  • An Stelle der C-Saite kommt die Low-G-Saite
  • An Stelle der E-Saite kommt die C-Saite
  • An Stelle der hohen G-Saite kommt die E-Saite
  • Die Position der A-Seite bleibt gleich

Beide Varianten funktionieren, aber ich bevorzuge die erste, da die Spannung der A-Saite bei der zweiten etwas schwächer ausfällt. Welche Art von Saiten auch immer man wählt: Sobald die Ukulele bespannt ist, kann der Spaß beginnen. Allegro ist schließlich nicht ohne Grund das italienische Wort für lustig.

Marco Todeschini baut unter dem Namen Antica Ukuleleria Ukulelen in Verona, Italien

Text und Bilder: Macro Todeschini

Übersetzung und Lektorat: Ludwig.

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1 Comment to “ Forza, Allegro!”

  1. Old Boy sagt:Antworten

    Endlich mal wieder ein Hersteller, der auch innovative Lösungen beim Bau traditioneller Instrumente verwendet und nicht nur an den alten Herstellungsverfahren klebt!

    Ich bin sicher, Marco Todeschini wird noch von sich reden machen!

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